Lettlands bittere Erfahrung der russischen Okkupation: In Berlin wird die Bedeutung des historischen Gedächtnisses im Kontext der europäischen Sicherheit hervorgehoben
Am 25. Februar 2026 veranstaltete die Botschaft der Republik Lettland in der Bundesrepublik Deutschland im Europäischen Haus in Berlin eine öffentliche Veranstaltung mit dem Titel „Lettlands bittere Erfahrung der russischen Okkupation: Geschichten der Vergangenheit, die Europa heute warnen“. Ziel der Veranstaltung war es, die internationale Öffentlichkeit auf die historische Erfahrung Lettlands während der sowjetischen Okkupation und deren Bedeutung im Kontext der heutigen europäischen Sicherheit aufmerksam zu machen.
Die Veranstaltung wurde von der lettischen Botschafterin in Deutschland, Alda Vanaga, sowie von der Leiterin der Vertretung der Europäischen Kommission Barbara Gessler eröffnet. In ihren Ansprachen wurde die Bedeutung des historischen Gedächtnisses für die Stärkung der Demokratie, die gesellschaftliche Resilienz und das Verständnis der von autoritären Regimen ausgehenden Sicherheitsbedrohungen in Europa hervorgehoben.
Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der lettischen Botschaft in Zusammenarbeit mit der lettischen Stiftung „Sibirische Kinder“ (Sibīrijas bērni), dem Europäischen Haus Berlin und mit Kofinanzierung durch das Programm der Europäischen Union „Citizens, Equality, Rights and Values“ (CERV) organisiert. Dadurch wurde die internationale Sichtbarkeit des Projekts sowie der Dialog über die Bedeutung des historischen Gedächtnisses im heutigen Europa gestärkt.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen persönliche Zeugnisse zur Okkupation im Jahr 1940 und zu den Deportationen von 1941, wobei insbesondere die Erfahrungen von Frauen und Kindern in der Verbannung nach Sibirien beleuchtet wurden. An der Diskussion und den Erzählungen nahmen die Leiterin der Stiftung „Sibirische Kinder“, Regisseurin und Autorin Dzintra Geka, sowie die Deportierten bzw. in der Verbannung geborenen Marija Krūmiņa, Andrejs Pebo und Mihails Šomers teil. Die persönlichen Berichte wurden durch Ausschnitte aus Dokumentarfilmen ergänzt, die vertiefte Einblicke in die Erfahrungen der Deportation, des Überlebens und der Bewahrung der Identität unter einem totalitären Regime boten.
Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurde der Dokumentarfilm „…Igarka, Hoffnung und der Schmetterling“ (Regie: Dzintra Geka) mit deutschen Untertiteln gezeigt, der die Lebensgeschichten deportierter Frauen und Kinder in Sibirien sowie die menschliche Resilienz unter den Bedingungen historischer Tragödien widerspiegelt. Die Filmvorführung diente als emotionaler und zugleich bildender Ausgangspunkt für die anschließende Diskussion mit dem Publikum über die Aktualität historischer Erfahrungen im Kontext heutiger sicherheitspolitischer Herausforderungen.
In der abschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde die Bedeutung des historischen Gedächtnisses besonders vor dem Hintergrund der russischen Aggression gegen die Ukraine hervorgehoben, die erneut Methoden totalitärer Regime – Zwangsdeportationen, die Zerschlagung von Gesellschaften und die Manipulation der Geschichte – in den Fokus rückt. Es wurde betont, dass die lettische Erfahrung nicht nur eine nationale historische Erzählung ist, sondern eine universelle Warnung an Europa vor den Gefahren des Autoritarismus und der Notwendigkeit, die gesellschaftliche Resilienz gegenüber Desinformation zu stärken.
Zum Publikum der Veranstaltung zählten die internationale diplomatische Gemeinschaft, Expertinnen und Experten, Medienvertretende sowie eine breite internationale Diaspora und Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Gesellschaft. Durch die gezielte Ansprache eines deutschen und internationalen Publikums förderte die Veranstaltung ein tieferes Verständnis dafür, was es bedeutet, unter russischer Okkupation zu leben und wie ein mangelndes Verständnis historischer Erfahrungen die Fähigkeit von Gesellschaften schwächen kann, gegenwärtige Sicherheitsrisiken zu erkennen.
Mit dieser Initiative der öffentlichen Diplomatie teilte Lettland seine historische Erfahrung und Expertise bei der Stärkung gesellschaftlicher Resilienz, demokratischer Werte und des historischen Gedächtnisses und bekräftigte zugleich seine Rolle als verlässlicher und verantwortungsvoller internationaler Partner, der aktiv das Verständnis für sicherheitspolitische Herausforderungen und die Bedeutung einer regelbasierten internationalen Ordnung fördert.
Die Veranstaltung wurde im Rahmen des diplomatischen Programms zur Unterstützung der Umsetzung der Prioritäten der lettischen Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und zur Förderung der Sichtbarkeit Lettlands durchgeführt. Am 3. Juni 2025 wurde Lettland für den Zeitraum vom 1. Januar 2026 bis zum 31. Dezember 2027 in den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gewählt. Die Mitgliedschaft im Sicherheitsrat wird eines der wichtigsten Instrumente zur Wahrung der außenpolitischen Interessen Lettlands sein. Übergeordnetes Ziel der lettischen Mitgliedschaft im VN-Sicherheitsrat ist es, ein für die Sicherheit Lettlands günstiges internationales Umfeld zu schützen und zu stärken, indem die Möglichkeiten der multilateralen Diplomatie genutzt und zugleich weiter ausgebaut werden.

